Kuala Lumpur und ich – keine Liebe auf den ersten Blick

Wooohaaaaa…..es geht nach Kuala Lumpur dachte ich so bei mir, als wir den Flug gebucht hatten und war sogleich vollgepackt mit Bildern im Kopf und Vorstellungen, wie die Stadt so aussieht. Modern, gläsern, vollgepackt mit Hochhäusern und viele „Ohhs“ und „Wows“ wert.

Wir hatten ja noch einige Zeit in Thailand vor uns, aber es war toll, zu wissen, dass etwas Großartiges nachfolgen würde.

Als wir nun hier ankommen, ich mit meinen Bildern im Kopf und voller Erwartungen, kann ich es kaum erwarten im Hotel alles abzuwerfen und loszuziehen und die Stadt zu entdecken. So machen wir es dann auch. Unser Hotel ist quasi im Herzen der Stadt, also wirklich mitten im Zentrum. Wir laufen also los, ich gespannt wie ein Flitzebogen.

Vielleicht vorab noch ein paar Informationen, für die, die es interessiert. Als wir am Flughafen angekommen sind, waren wir noch nicht einmal durch die Passkontrolle durch, da standen schon 3 Mobilfunkanbieter, die die Touristen mit günstigen Prepaid-Simkarten-Tarifen angeworben haben. Da wir das bereits in Thailand so gemacht hatten, eine Prepaidkarte zu kaufen, um immer und überall über Internet zu verfügen, war uns schon vorher klar, dass wir das auch in Malaysia machen werden.

Von den 3 Anbietern, konnte man nur bei einem mit Kreditkarte bezahlen. Die beiden anderen wollten Bares sehen (wohlgemerkt VOR der Passkontrolle und ohne dass in dem Bereich ein Geldautomat steht – für Neu-Malayen, wie wir – völlig ungeeignet). Der Anbieter, der auch Kreditkarten genommen hat, heißt Hotlink und bietet für 15 Tage 8 GB High Speed  Internet, 60 Frei Minuten telefonieren (lokale Nummern – kann man mal brauchen, wenn man z.B. das Hotel anrufen muss) und kostet 36 Malysische Ringgit (RM), ca. 7,70 €. Das kann man bezahlen. Zumal wir das Telefon und vor allem das Internet auch gleich brauchen. Wir müssen ja schließlich vom Flughafen zum Hotel. Taxen sind zu teuer und mit dem Zug (wir müssten umsteigen) wollen wir aufgrund des schweren Gepäcks nicht fahren. Es gibt hier aber noch die Möglichkeit der „Grabies“. Das ist eine Art „uber“. Über eine App (hier kommt die Notwendigkeit des Telefons 😉 ) ruft man sich ein Grab (eine Art Taxi, nur dass das ein privater Fahrer mit seinem privaten Wagen macht) und steigt ein. Über die App weiß man wer der Fahrer ist, wieviel die Fahrt kosten wird und so gibt es keinerlei Probleme.

Das einzige was mir auffällt, unser Grab-Fahrer ist ganz schön aggressiv und fährt aus Wut, weil Fußgänger noch bei Rot über die Ampel gelaufen sind, diese wirklich beinahe über den Haufen. Ooookaaaayyy…..  Aber sonst passt alles. Wir kommen für 75 RM (ca. 16 €) vom Flughafen ins Stadtzentrum, was ca. 60 km sind. Da kann man über den Preis echt nicht meckern.

Wir fahren in die Stadt rein, kommen zum Hotel, werfen – wie gesagt – alles ab und marschieren los. Ich gebe zu, ich habe mir vorher keine großen Gedanken über die Stadt gemacht, noch habe ich großartig recherchiert. Ich lasse mich treiben und schaue mal. Am Flughafen habe ich noch eine kostenlose Stadtkarte mitgenommen, in der einige Sehenswürdigkeiten verzeichnet sind. Bei uns in der Nähe sind der vielgepriesene Central Market und Chinatown. Da ich ja gleich so viel wie möglich einsaugen möchte, nehmen wir diese 2 Punkte gleich in Angriff. Ich bin bereit, trainiere meinen Mund schon mal für ein schönes großes „Oooohhhh“ und recke meinen Kopf….und sehe nicht wirklich, was ich erwartet habe. Ja, stimmt schon, ein paar Hochhäuser sind da. Aber der große Teil den ich sehe, ist eher kleiner und wechselt sich ab von alt und auf neu gemacht, abgeranzt und hübsch angemalt, schimmelig und glitzernd. Ich kann mich nicht so ganz dafür erwärmen, stimmt es doch so gar nicht mit meinen Vorstellungen überein.

An einem Café halten wir erst einmal an und nehmen eine kleine Stärkung zu uns. Es lockt uns ein Angebot von einer Kombination von Kaffee und Kuchen für 12 RM (ca. 2,60 €) und bei Schokoladenkuchen können wir beide nicht „nein“ sagen. Vasili probiert seinen zu erst. Auf Frage, wie es denn schmeckt, zuckt er mit den Schultern und sagt, naja, geht so, es wäre ein komischer Beigeschmack dabei, irgendwie zwiebelig… Ich probiere mein Stück und stelle fest, bei mir ist alles gut. Wunderbar schokoladig, so wie ein Schokoladenkuchen eben sein soll. „Der spinnt“ denke ich kurz und probiere sein Stück. Doch tatsächlich, sein Stück schmeckt komisch…. Ich denke kurz nach und dann kommt es mir… die Durian-Frucht !

Schon in Thailand bin ich in den Hotels immer wieder über das Schild gestolpert, dass das Mitbringen und vor allem das Verzehren von der Durian-Frucht im Hotel verboten sei. Ich, keine Ahnung, musste erstmal recherchieren, was die Durian-Frucht überhaupt ist. Und sie hat tatsächlich einen eigentümlichen Geruch, der sich aus unerfindlichen Gründen nur sehr sehr langsam verflüchtigt und soll eine leicht zwiebelige Note im Geschmack haben. Mit diesem Wissen sind wir natürlich viel aufmerksamer über die Märkte gegangen und haben immer in Nähe dieser Frucht einen seltsamen Geruch wahrgenommen, den wir beide als nicht angenehm empfinden.

Dieses Stück Kuchen hatte einen Hauch des Geruchs quasi als Geschmack. Auf Nachfrage stellte sich heraus, dass das Café auch „Durian-Kuchen“ anbietet und evt. davon etwas auf den Schokokuchen „übergegangen“ sein könnte. Das Stück wurde getauscht. Ironischerweise befindet sich genau neben dem Café ein riesengroßer Durian-Frucht-Shop. Die stellen wirklich alles daraus her.

Wir gehen weiter und kommen nun zu unserer ersten touristischen Station, dem Central Market. Es ist eine hübsche Markthalle mit hübschen Sachen. Da unsere Koffer aber bis oben hin voll sind und wir immer knapp vor Gewichtsproblemen beim Fliegen stehen, können wir eh nichts kaufen und wir stellen auch fest, wir brauchen nichts. So schlendern wir nur langsam durch und schauen.

Gleich nebenan findet sich der Kasturi Walk, ebenfalls eine touristische Einkaufsstraße. Da wir schon mal hier sind, nehmen wir diese natürlich auch gleich mit.

Als wir weiterlaufen kommen wir nach Chinatown. Anders als z.B. in New York, scheint sie nur auf verkaufen ausgerichtet zu sein. Es gibt zwar auch Lokale, aber man hat nicht das Gefühl, dass hier ein richtig chinesisches authentisches Viertel, in dem Leben und Arbeiten zusammenkommen, existiert.

Wir laufen weiter durch die Stadt und Vasili wird offen von einem jungen, stark abgerissenen, Mann angesprochen. Er hätte ein Problem und ob Vasili ihm denn nicht helfen könne, mit ein wenig Geld, dass er sich etwas zu essen kaufen könne…. Wir gehen weiter. Ein anderer Mann schaut uns an und macht eine Geste des Trinkens in unsere Richtung, was nichts anderes heißt, als dass wir ihm etwas zu trinken kaufen sollen…. Wir gehen zum Mc Donalds, eine Kleinigkeit essen. Dort fällt mir ein Mann auf, der hinein kommt, sich einfach nur hinsetzt und wartet. Eine Familie ist mit ihrem Essen fertig und steht – wie es so oft vorkommt – auf, ohne ihre Tabletts wegzuräumen. Der Mann der bisher einfach nur da saß, wartet bis die Familie weg ist, geht dann rüber zu deren Tisch und sucht sich die Reste des Essen zusammen und isst sie…. Mit nun viel offeneren Augen gehe ich durch die Straßen und sehe nun ganz bewusst, die vielen Obdachlosen. Wir kommen an einer Suppenküche vorbei, an der gerade Mahlzeiten ausgeschenkt werden, die Schlange ist verdammt lang. Überall liegen die Menschen, ihre Taschen mit den wenigen Habseligkeiten als Kopfkissen genutzt…. und ich bin überrascht von dieser Stadt, die ich mir doch so anders vorgestellt habe.

Wir gehen zurück zum Hotel und ich betrachte die Umgebung und denke mir so, 4 Tage hier? Naja, dann habe ich es wenigstens gesehen, Haken dran, hier muss ich nicht nochmal herkommen.

Am Abend lasse ich mich widerwillig überreden nochmal raus zu gehen. Schließlich brauchen wir noch ein Abendessen. Wir suchen uns einen Weg in ein aus dem Internet recherchiertes „Ausgeh-Viertel“. Aus unserem Hotel raus, liegen wieder überall die Obdachlosen. Es ist traurig anzuschauen. Und ich frage mich nach der Sicherheit in diesem Viertel…  (Später lese ich online nach, dass es grundsätzlich keine großen Sicherheitsbedenken gibt, man sollte, wie immer und überall anders auch, mit offenen Augen durch die Stadt gehen und sich vor Taschen-und Trickdieben hüten. Einzig der Hinweis darauf, dass man Straßen zügig überqueren solle, da ein Fußgängerleben nicht so hoch gewichtet würde, lässt mich an die Erinnerung an unseren Fahrer leicht zusammenzucken)

Auf unserem Weg sehen wir den KL-Tower leuchten. Der ist schon beeindruckend. Da müssen wir mal rauf – aber nicht heute Abend. Und dann landen wir tatsächlich in einer Gegend mit hohen gläsernen Häusern und einer Ausgehmeile…. Ich bin etwas befriedet und denke so, ok, das was ich bisher gesehen habe, war ja auch noch nicht alles. Schauen wir mal, was noch so kommt.

Der Abend klingt noch nett aus. Obwohl es schwierig war, zu später Stunde noch etwas zu essen zu finden. Das sind wir gar nicht mehr gewöhnt. In Thailand gibt es alle 2 Meter Restaurants, Garküchen oder sonstiges. Man kann gar nicht verhungern. Hier dagegen muss man schon ein wenig suchen. Rückzu kommen wir noch einmal an einem Supermarkt vorbei und wieder stolpern wir hier über die Durian-Frucht. Spaßes halber schauen wir mal nach den Bierpreisen. In Malaysia ist Alkohol teuer. Das merkt man auch am Bier. Die Preise liegen ungefähr bei 3 € für die Flasche und 2 € für die Dose.

Wieder im Hotel, sind wir ins Bett gefallen. Das waren doch wieder einige Kilometer.

Am nächsten Tag sind dunkle Wolken über Kuala Lumpur aufgezogen. Es dauert auch nicht lange, da donnert und blitzt es und dann haut es wieder einmal gewaltig runter. Dem Regen entgehen wir irgendwie nicht – wie auch – in Malysia ist gerade Regenzeit.

Also für uns Zeit, in Ruhe zu recherchieren, wie wir weitermachen wollen mit unserer Reise. Unser Luxusproblem: zu viele Wünsche, zu viele Optionen. Aber natürlich auch immer der Blick auf´s Geld – was macht Sinn, wo kann man sparen und geht es evt. auch noch günstiger. Wir wissen immer noch nichts Genaues. Aber wir haben zumindest eine grobe Richtung gefunden. Wie es dann kommt – ihr werdet es erfahren.

Am Ende haben wir fast bis zum Abend gesessen. Es ist schon kurz vor 18 Uhr und damit wird es bald dunkel. Ooops, dann aber mal noch schnell raus und was essen gehen. In Kuala Lumpur gibt es einige Einkaufszentren, die alle auch einen Foodcourt haben. Foodcourts sind genau unser Ding. Und da sich ein Einkaufszentrum direkt unter den Petronastowers, dem Wahrzeichen der Stadt, befindet, können wir hier zu später Stunde noch 2 Fliegen mit einer Klappe schlagen – etwas essen und Tourist sein. Wir laufen die knapp 2,5 km und mit jedem Stückchen, dass wir näher kommen, steigt meine Laune. Als wir da sind, bin ich einfach nur happy!

DAS ! ist das Kuala Lumpur, das ich mir vorgestellt habe.

Nachdem wir genug fotografiert, uns im Foodcourt den Bauch vollgeschlagen, in dem im Einkaufszentrum integrierten Kino festgestellt haben, dass eine Kinokarte nur ca. 4,50 € kostet und beschlossen haben, morgen noch einmal zurückzukehren und anschließend ins Kino zu gehen, verlassen wir das Center, um eine Skybar in einem der gegenüberliegenden Gebäude anzusteuern.

Als wir oben sind, bleibt uns zwei Mal die Luft weg. Zum einen wegen des atemberaubenden Ausblicks und zweitens wegen den Preisen. (ps.: nein, aus dem Whiskey-Glas hat noch keiner getrunken. Es gibt nur einen kleinen Finger breit voll) Zum Vergleich: Unser Abendessen hat 36 RM (ca. 7,70 €), die Drinks 83 RM (ca. 17,70 €) gekostet. Aber was soll´s. Man gönnt sich das hier einfach gern. Es hat etwas gedauert…aber ich bin in Kuala Lumpur angekommen.

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